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Die erste grimmigste Tragödie in der Weltgeschichte der Menschheit ist der Genozid am armenischen Volk im 20 Jahrhundert. Die Tatsachen und Wahrheit über das Geschehen ist schon seit langem vor der Öffentlichkeit ins Licht gebracht. Tro tzdessen sucht der Täter keinen Sündenerlass, sondern setzt mit der Verleumdung und Verneigung über die eigene Vergangenheit fort. Seit seinem Anfang an war die Geschichte Armeniens von Spaltungen wie ebenso von Verfolgungen und Zerstreuungen gekennzeichnet. Spätestens seit dem Jahr 1064 - der Fall und der Zerstörung der alten armensichen Königstadt Ani durch die türkstämmigen Seldschukken – werden die Entwicklungen einer vor allem kulturell zunehmend auseinanderstrebenden Zweiteilung in ein Ost- sowie ein Westarmenien bestimmt: Ostarmenien als Geschichte eines armenischen Territoriums unter zunächst persischer, dann russischer Herrschaft; Westarmenien als Geschichte der armenischen Siedlungsgebiete westlich von Ararats – unter osmanischen Herrschern – und einer weit zerstreuten Diaspora, deren Zentren von der Krim über Lemberg, Amsterdam, Venedig, Rom, Marseille bis Madras und Kalkutta lagen.
Im Osmanischen Reich war westarmenische Gemeinschaft seit dem 15. Jahrhundert unter jenes Dulungsprinzip gezwungen, das ja auch der während der Inqisistion geflohenen jüdischen Gemeinschaft ein Bestehen gesichert hatte. In diesem System der Überlegenheit wurden die eingebundenen Völker auf eine religiöse Selbstdefiniton beschränkt. Trotzdem lebten sie da bis ins 19. Jahrhundert in relativer Ruhe, was auch auf das Milletsystem zurückzuführen ist, das die Organisation der nichtmuslimischen Untertanen des Sultans beinhaltete. Das armenische Millet erreichte 1863 sogar die Wertschätzung einer „Milleti Sadigha“, einer treuen Nation. Allmählich wurde die radikale gesellschaftliche Zweiteilung in Bereichen des Steuer-, Straf- oder Zivilrechts besonders deutlich.  In der Türkei, wie in vielen europäischen Ländern, wurde der Nationalstaatsgedanke stärker. Das im Zerfall begriffene Osmanische Reich versuchte in der Tanzimat-Periode (1839-1879), den Staat durch Übernahme westlicher Konzepte zu reformieren und gleichzeitig äußere Einflüsse zurückzudrängen. In der Folge dieser Maßnahmen entstand die jüngtürkische Bewegung, die das Ziel eines sprachlich und kulturell einheitlichen Staats vertrat. Die Armenier, die eine andere Sprache, Schrift und Religion hatten und das europäische Ausland unterstützte, wurden als Fremdkörper angesehen. Mit der Verweigerung, die Toleranzdefinition mit den Aufbrüchen des 19. Jahrhunderts zu Gleichheitsprinzipien weiterzuentwickeln, wurde das wahre Gesicht des Millet-Systems deutlich. Die ersten osmanisch-türkischen Reformer verwiesen in der Wertung neuer, um die Idee der „Wieder“-Geburt der türkischen Nation zentrierten Geisterhaltung auf die in Europa erwachte Turkologie: eine Begeisterung für Land und Kultur des Türken, die allmählich in einen scharfen Nationalismus umformt. Als Folgen erschienen Spannungen zwischen Kurden und Armeniern: zunehmende Verfolgungen der Armenier durch Kurden. Die Armeniern mussten höhere Steuern zahlen, die dem nach Unabhängigkeit strebenden Teil zusätzlich Anlässe zum Aufruhr lieferten. Als 1894 Armenier in Sasun, einem Teil von Siirt, sich weigerten, die Steuern zu zahlen und sich gegen die Regierung auflehnten, töteten Kurden und türkischen Truppen tausende von ihnen und brannten viele armenische Dörfer nieder. Zwei Jahre später, am 26. August 1896, besetzten armenische Separatisten gewaltsam die Ottomanische Bank in Instambul. Sie wollen Autonomie für die armenischen Provinzen unter der Aufsicht europäischer Mächte, Freilassung armenischer Gefangenen und die Rückgabe beschlagnahmten Eigentums durchsetzen. Ihre Forderungen wurden nicht erfüllt, sie konnten aber freien Abzug nach Marseille erreichen. Als Reaktion auf diesen Zwischenfall wurden zahlreiche Armenier verhaftet oder von aufgebrachten Menschenmengen unter Beteiligung von Regierungsstellen getötet. In der Tanzimat-Periode schätzt man insgesamt 100.000 bis zu 200.000 Opfer von armenischer Seite. Danach gingen die armenisch-türkischen Konflikte in ähnlicher Art, wenn nicht so intensiv, weiter. Es kam zu einer Reihe weiterer Verfolgungen der Armenier. 1909 während eine Revolte gegen die seit 1908 regierenden Jungtürken in Südostkleinasien, mit Zentrum in Adana und umliegenden Gebieten, wurden 20.000 bis 30.000 Armenier von Aufständischen als angebliche Unterstützer der neuen Regierung umgebracht. Allerdings die Jungtürken selbst betrieben den bis heute am umfangreichsten bekannten Genozid an den Armeniern. Sie waren erfolglos bei der Reformierung des Reiches. Wie ihre Vorgänger setzten sie bei der Reorganisation des Militärs auf deutsche Unterstützung. Neben dem Oberbefehlshaber Fritz Bronsart von Schellendorff hatten 3 der 5 türkischen Armeen deutsche Oberkommandierende. Zu Beginn des Ersten Weltkrieg, am 2. August 1914, schloss der jungtürkische Kriegsminister Enver Pascha eine Allianz mit Deutschland und den Mittelmächten gegen die Entente, zu denen auch Russland gehörte. Im russisch-türkischen Konflikt im Kaukasus förderten die Armenier in der Hoffnung auf Unabhängigkeit die russische Seite, auf die es armenische Freiwilligenbataillone gab. Nach dem Rückschlag der türkischen Offensive gegen Russland im Januar 1915 und dem Beginn von Operationen und Anwerbungen armenischer Kämpfer, schob die Staatsführung die Schuld auf die christlichen Armenier, die angeblich das christliche Russland unterstützt hätten. Das jungtürkische "Komitee Einheit und Fortschritt" beschloss die Ausrottung der Armenier und stellte dafür eine Spezialeinheit, "Cete" genannt, auf. Die armenischen Soldaten der türkischen Armeen wurden zuerst entwaffnet, in Arbeitsbatallionen zusammengefasst und schließlich fast gänzlich ermordet. Am 24./25. April 1915 wurde fast die gesamte Führungsschicht der Armenier in Konstantinopel - alle armenischen politischen, wirtschaftlichen und kulturellen Führer, insgesamt etwa 2.350 Männer, ermordet. Bis Juli wurden die Armenier in ihren Siedlungsgebieten an 7 Orten konzentriert. Sie wurden gleich dort von türkischen Polizisten, Soldaten oder kurdischen Hilfstruppen ermordet oder auf Befehl von Innenminister Talaat ab dem 27. Mai auf Todesmärsche durch die Wüste nach Allepo geschickt. Dabei ging es um keine Umsiedlung, sondern auf den ausdrücklichen Befehl, „alle Armenier, die in der Türkei wohnen, gänzlich auszurotten“. Die Methode war einfach: Während die armenischen Soldaten in türkischen Diensten zumeist kompanieweise erschossen wurden, wurden die Intellek¬tuel¬len und Honoratioren der Armenier eingesperrt, gefol¬tert und dann umgebracht. Armenische Männer, die davon nichts wussten, traten die Deporta¬ti¬ons¬reise mit ihren Familien an, wurden aber unter faden¬schei¬nigen Vorwänden von ihren Angehörigen getrennt und eben¬falls getötet. Frauen und Kinder wurden oft noch ihrer Heimat getötet, die übrigen mußten so lange mar¬schie¬ren, bis ein Großteil von ihnen unterwegs starb. Wer trotzdem die Deportationsziele hauptsächlich die syrische und meso¬potamische Wüste erreichte, fand dort Lebensbedingungen vor, die tödlich waren. Ganz abgesehen davon, daß die Osmanische Regierung so gut wie nichts für die Aufnahme der Deportierten in den Wüstenstädten vorbereitet hatte, weil überhaupt keine ernste Absicht bestand, die Armenier erneut anzusiedeln. Wenn trotzdem einige Hunderttausend überlebten, dann durch die Hilfe anderer: zumeist von Armeniern, oft von ebenfalls unter¬drück¬ten Völkern wie den Arabern, selten von Deutschen. Manchmal Kurden retteten Armeniern das Leben, aber Kurden töteten auch. Über die wirkliche Situation im Land war die deutsche von allen europäischen Regie¬rung am besten informiert. Sie hatte in allen wichtigen Städten des Ostens von Van abge¬se¬hen größere Konsulate, die sie nach allen Stationen der Todesmärsche und Massaker erkundigten. Nur die deutschen Verbündeten durften ihre Depeschen chiffrieren. Hunderte seiner Offiziere bildeten die türkische Armee aus und während des Kriegs hatten den operativen Oberbefehl über sie. Einige Generäle mischten bei der Planung und Durchführung der Deportationen mit, alle waren Zeugen. Unter den deutschen Militärs gab es sowohl unerbittliche Feinde, als auch Freunde der Armenier - vor allem Offiziere und Diplomaten, die ihre Karriere und sogar ihre Sicherheit aufs Spiel setzten, um der Reichsregierung die Augen zu öffnen und ins Gewissen zu reden. Die deutschen Konsuln schickte verzweifelte Bitten an die Botschaft in Konstantinopel, das Auswärtige Amt und das Kanzleramt in Berlin, den Mordtaten des Verbündeten entgegenzutreten. Schon damals erschienen große Disputen zwischen engagierten Humanisten wie dem Theologen Johannes Lepsius und den Promotoren der Weltmachtrolle. Der liberale Imperialist Friedrich Naumann bekundete wichtiger als die armenische Frage sei das deutsche Volkstum, „an dem noch einmal die Welt genesen soll“. Die Aufgabe Deutschlands lasse deshalb „die sentimentale Behandlung des Schicksals eines fremden Volkes in einem fremden Staat nicht zu“. Neben Quellen von Deutschen standen noch die Aussagen von Ärzten, Pflegern und Krankenschwestern zur Verfügung. Das galt auch für die Amerikaner, die im Land Waisen , Krankenhäusern und Schulen unterhielten. Die Armenier starben, so der deutsche Schriftsteller Armin Theophil Wegner, der als Sanitätsoffizier Augenzeuge des Völ¬kermords wurde, "von Kurden erschlagen, von Gendarmen be¬raubt, erschossen, erhängt, vergiftet, erdolcht, erdrosselt, von Seuchen verzehrt, ertränkt, erfroren, verdurstet, ver¬hun¬gert, verfault, von Schakalen angefressen. Kinder weinten sich in den Tod, Männer zerschmetterten sich an den Felsen, Mütter warfen ihre Kleinen in die Brunnen, Schwangere stürz¬ten sich mit Gesang in den Euphrat. Alle Tode der Erde, die Tode aller Jahrhunderte starben sie." Etwa 100.000 Armenier überlebten die Todesmärsche, weil sie sich zwangsturkisieren ließen, circa 500.000 gelang die Flucht. Insgesamt starben 1.000.000 bis 1.500.000 Armenier bei diesen Märschen. Hunderttausende Armenier, die den Genozid überlebten, mussten emigrieren. Bis Juni 1916 besetzten russische Truppen Armenien. Armenische Verbände, die mit der russischen Armee 1917 in die Türkei einrückten, nahmen Rache für den Völkermord und ermordeten besonders Kurden. Die Angaben über die Zahl der Toten in dieser Zeit schwanken zwischen einigen Zehntausend und 128.000. Die Dokumentation des deutschen Orientalisten Johannes Lepsius zum Völkermord an den Armeniern wurde im August 1916 von der Reichsregierung verboten. 1919 machten Militärgerichte der Sultansregierung den Führern der jungtürkischen Bewegung wegen des verlorenen Krieges den Prozess nach osmanischem Recht. In den drei Istanbuler Verfahren wurden 17 Todesurteile verhängt und 3 von ihnen vollstreckt, die meisten von ihnen entzogen sich dem Todesurteil durch Flucht nach Europa. Laut dem Vertrag von Sèvres von 1920 war die Gründung eines unabhängigen armenischen Staates vorgesehen. Dem versuchte die türkische Regierung durch Vollendung des Völkermords an den Armeniern zuvorzukommen und die Gründung des Staates in Ostanatolien zu verhindern. Deshalb ließ sie noch einmal etwa 50.000 Armenier in Adana und 20.000 Armenier in Marasch ermorden. Nach dem Zusammenbruch der Russischen Regierung im Kaukasusgebiet marschieren türkische Truppen dort ein, um das armenische Volk auch dort auszurotten und die Schaffung eines armenischen Staates zu verhindern. Dabei werden noch einmal etwa 175.000 Armenier ermordet. Dieser Massenmord wird durch Eingreifen der 11. Armee der Roten Arbeiter- und Bauernarmee gestoppt. Nach schweren Rückschlägen für die christlichen Bevölkerungsgruppen im türkisch-griechischen Krieg 1922 beginnen im Rahmen der so genannten Kleinasiatischen Katastrophe wieder Massaker an Christen in Smyrna (heute Izmir), bei der etwa 100.000 Christen ermordet werden, neben Griechen auch viele Armenier, darunter die gesamte armenische Gemeinde Smyrnas. Aus Verbitterung darüber formierten sich seit 1973 armenische Terrorgruppen. In den 80er Jahren brachten eine Vielzahl von Terroranschlägen der armenischen "Asala"-Armee auf türkische Einrichtungen weltweit die Situation der Armenier und auch die Geschichte des Völkermordes in Erinnerung. Manche der jungtürkischen Führern gestanden den Völkermord öffentlich ein. Aber bis heute betriebt die Türkei dagegen eine Leugnung des Völkermords an den Armeniern und stellt die Ermordungen als Folgen von Kriegshandlungen dar. Es gab bis in die jüngste Zeit heftige diplomatische Auseinandersetzungen. Eine Aufnahme der Türkei in die EU hänge auch vom türkischen Eingeständnis des Genozids ab. Aus der Anerkennung könnten keine politischen, rechtlichen oder materiellen Forderungen abgeleitet werden. Es handelt sich um europäischen Erinnerungskultur. Ankara gab sich dennoch empört und machte anschließend geltend, dass es bereits informelle Kontakte zu Armeniern auf der Ebene von Nichtregierungsorganisationen gebe. Die Europaparlamentarier waren zufrieden und strichen im Oktober 2001 den Passus, dass die Türkei für den Beitritt zur EU ihre Geschichte aufarbeiten müsse. 24 Staaten, darunter Frankreich, Italien, Belgien, die Niederlande, sowie internationale Organisationen wie der Europarathaben haben den Genozid inzwischen verurteilt und prompt harsche Reaktionen zu spüren bekommen. Mit den USA und Israel gehört Deutschland zu denen, für die es offiziell keinen Völkermord gab und keine „Armenier-Lüge“ gibt. Auffällig geworden war der türkischen Botschaft jüngst nur Brandenburg. Als einziges Bundesland hatte es sich herausgenommen, die Massaker im Rahmenlehrplan für deutsche Geschichte überhaupt anzusprechen. Die SPD fürchtet um ihre türkischen Wähler, die Republik um den inneren Frieden mit den türkischen Bürgern. Am 16. Juni verabschiedet der Deutsche Bundestag einen gemeinsamen Antrag aller Fraktionen, der die Türkei zur Aufarbeitung der Vertreibung und der Massaker an den Armeniern während des Ersten Weltkriegs auffordert und dabei auch die zweifelhafte Rolle des Deutschen Reiches bedauert. Im eingebrachten Antrag geht es um keine förmliche Anerkennung des Völkermords, der Begriff Völkermord wird gar nicht verwendet, sondern um die Leistung vom “deutschen Beitrag zur Versöhnung zwischen Türken und Armeniern”. Die damaligen Ereignisse würden immer noch verharmlostund weitgehend bestritten. Die Regierung in Ankara weist die Entschließung zurück, sie sei einseitig und voller gravierender Fehler und werde negative Auswirkungen auf das bilaterale Verhältnis haben. Die Geschichte beweist, dass das bulgarische und das armenischt Völker immer gute Beziehungen gehabt haben. Nach dem 1916 kommen in Bulgarien fast 20 000 Flüchtlingen. Trotzdem ist es auch ein der wenigen Ländern, in denen der Völkermord noch unerkannt mit Entschluss vom Parlament bleibt. Es gibt entweder eine Auseinandersetzung oder politische Macht, die einen Standpunkt vertritt. Die Disputte über die EU-Aufhame der Türkei, die die Staaten in Europa führen, findet keine wahre Rückwirkung in Bulgarien. Der Beitritt von der Türkei als eine bulgarische Nachbarin sei die beste Garantie für die Sicherheit der Balkanstaaten nach des Erachtens vom bulgarischen Präsident. Offensichtlich betreffen nicht die in der EU verlaufenden Prozesse die bulgarische vereinigte Klassengesellschaft. In der Kunst gibt es vereinzelte Darstellungen des Völkermordes u.a. in Franz Werfels Roman "Die 40 Tage des Musa Dagh"(1933), Edgar Hilsenraths Roman "Das Märchen vom letzten Gedanken"(1989), Atom Egoyans Film Ararat(2002), den Song P.L.U.C.K. der Hardcore-Band Sytem Of A Down oder „Armenien Prokation“ der Hardcore-BaND Integrity. Der 24.April ist als Gedenktag an die Opfer des Genozids in kaum einem offiziellen Kalender Europas bestimmt. Auch über 90 Jahres nach dem Geschehen ist das heute das Datum, an dem sich die ganze armenische Überlebendengemeinschaft an den Opfern erinnert. Die weltweite Anerkennung ist Frage der Zeit. Als der ehemalige italienische Staatspräsidenten Francesco Cossiga gesagt hat: "Wer die Wahrheit verheimlicht ist schlimmer als ein Mörder."
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